STAATSKUNST,
diplomatische Meisterleistung
oder politische Intrige?

Drei Perspektiven auf Justus Mösers
politisches Wirken im Jahr 1786


 

Ein temporäres Ausstellungsprojekt in den Orten Bersenbrück, Fürstenau und Schledehausen.

 
Staatskunst, Diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige ist ein temporäres Ausstellungsprojekt in den Orten Bersenbrück, Fürstenau und Schledehausen anlässlich des Jubiläums "300 Jahre Justus Möser" in Stadt und Landkreis Osnabrück 2020. Drei ortsgebundene Ausstellungen mit Vorträgen und Begleitprogramm laden dazu ein, Justus Möser als eine wirkungsvolle politische Persönlichkeit kennenzulernen, als einen Menschen, der diese Orte bis in die Gegenwart hinein prägte. Historiker, Heimatforscher und Künstler bringen historisches Wissen in eine lebendige Erzählung.
18. September - 1. November 2020
Das Leben in den Orten Schledehausen, Fürstenau und Bersenbrück veränderte sich schlagartig, nachdem im Dezember 1786 ein Vertrag unterzeichnet wurde, der die hartnäckigsten Konflikte im Fürstbistum ausglich.
Justus Möser hatte ihn ausgehandelt.
 
In Schledehausen wurde der Vertrag als diplomatische Meisterleistung begrüßt, in Fürstenau als staatsmännischer Coup verurteilt. In Bersenbrück vermuteten Zeitgenossen gar eine politische Intrige, da das dortige Kloster geschlossen wurde.
1786
Die Perspektive Schledehausen
DIPLOMATISCHE
MEISTERLEISTUNG
Justus Möser gelang mit dem Vertrag von 1786 eine diplomatische Meisterleistung. Der Vertrag versprach, die hartnäckigsten konfessionellen Konflikte im Fürstbistum Osnabrück zu lösen. Im Westfälischen Frieden von 1648 waren in Schledehausen konfessionelle Verhältnisse hergestellt worden, die dem Glaubensbekenntnis der Bevölkerungsmehrheit widersprachen. Trotz unzähliger Eingaben beim Fürstbischof, trotz Bitten und Flehen seitens der Bevölkerung schien die Zuordnung unumstößlich. Erst Justus Möser konnte in einem großen Interessensausgleich dauerhafte Veränderungen herbeiführen.
STAATSKUNST
Der Vertrag von 1786 enthielt von Justus Möser nicht vorhergesehenen neuen politischen Zündstoff, so dass die Stadt Fürstenau gegen seine Durchführung vor den höchsten Gerichten des Alten Reiches Klage führte. Diese Klage wurde aufgrund ihres verfassungsrechtlichen Charakters von den Zeitgenossen aufmerksam verfolgt. Es wurde verhandelt, ob der Vertrag eine bis dahin gültige Machtgrenze überschritt und die Souveränität des Stadtrats aushebelte. Die Gerichte entschieden zu Ungunsten Fürstenaus, und die Stadt musste eine neue katholische Gemeinde innerhalb ihrer Stadt tolerieren. Wie wirkte sich der Ausgang der Entscheidung in Hinblick auf das konfessionelle Zusammenleben in Fürstenau aus?
INTRIGE
Eine dritte Perspektive eröffnet sich durch die Betrachtung des mit dem Vertrag unmittelbar zusammenhängenden Geschehens in Bersenbrück. Gegen den Willen des Klosters und unter größter Geheimhaltung wurde seine Aufhebung veranlasst. Die Zisterzienserinnen wurden, um den Abschluss des Vertrages nicht zu gefährden, hartnäckig über die Schließung ihres Konvents belogen. Haben wir es, wie Äbtissin und Beichtvater vermuteten, mit einer politischen Intrige zu tun?

Jurist, Staatsmann und Politiker

Justus Möser befand sich zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen an zentraler, leitender Stelle im Fürstbistum, ihm entging nichts von politischer Bedeutung. Sein Urteilsvermögen beruhte auf langjähriger Erfahrung.
Geboren wurde Justus Möser 1720 in Osnabrück. Seine Familie war protestantischen Glaubens und gehörte zur bürgerlichen Oberschicht der Stadt. Er war ein vielfach begabter Schüler und ein lebensfroher Rechts-Student in Jena und Göttingen. Als ihm 1744 das Amt eines Sekretärs der Osnabrücker Ritterschaft angetragen wurde, gelang ihm - noch ohne offiziellen Studienabschluss - die Anerkennung als Advokat.
Lebenslang pflegte er eine Leidenschaft fürs Schreiben. Seit 1746/47 veröffentlichte er kleine satirische Beiträge in moralischen Wochenschriften. Sie offenbaren einen wachen Blick auf gesellschaftliche Missstände und lassen ihn als einen humorvollen (und konservativen) Aufklärer erkennen. 1783 wurde er zum Geheimen Referendar und Justizrat ernannt. 1785 erhält er das Zeichnungsrecht im Namen des Prinzen. Kurz gesagt: Justus Möser befand sich zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen an zentraler, leitender Stelle im Fürstbistum, ihm entging nichts von politischer Bedeutung. Sein Urteilsvermögen beruhte auf langjähriger Erfahrung.

JUSTUS MÖSER

* 14. Dezember 1720
† 8. Januar 1794

Veranstalter:

Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
Vorsitzender: Dr. Wilfried Markus, Bersenbrück

Projektleitung:

Dr. Jutta Stalfort, Bersenbrück
   0 54 39/90 23 26
   kontakt@jutta-stalfort.de
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Wir danken den Förderern:

Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Kreisheimatbund Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Fürstenau
Stadt Fürstenau
Bissendorf/Schledehausen
Gemeinde Bissendorf

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