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Einführung in die Ausstellung

Staatskunst oder Coup?
Fürstenau zieht vor Gericht!

Wo beginnt und wo endet das Selbstbestimmungsrecht einer Stadt?
Eine bis heute aktuelle Frage erregte schon Ende des 18. Jahrhunderts die Gemüter. Das Ausstellungsprojekt "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?" greift ein historisches Ereignis aus unserer Region auf und thematisiert die Brisanz von überregionaler Konfliktlösung und städtischem Selbstbestimmungswillen.

1787 Fürstenau gegen die Regierung

Die Stadt Fürstenau klagte 1787 vor den höchsten Gerichten des Reiches gegen die Regierung. Anlass des aufsehenerregenden Konflikts war ein Vertrag, der - unter Beteiligung des Regierungsbeauftragten Justus Möser - zwischen der evangelischen und katholischen Kirche geschlossen worden war. Eigentlich schien der Vertrag die geniale Lösung vieler jahrzehntelang, unlösbar scheinender Konflikte. In Fürstenau und Schledehausen sollte es - endlich! - eine Gleichstellung der beiden christlichen Kirchen geben. In jeder Gemeinde des Fürstbistum könnten von nun an neue Schulen entstehen, ganz wie es ihren Einwohnern sinnvoll erscheinen würde. Und die allermeisten Lehrer würden angemessener entlohnt werden. Eigentlich also eine willkommene Verbesserung für das Zusammenleben vieler Menschen? Doch nicht aus der Sicht des Magistrats der Stadt Fürstenau...

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Wie konnte es soweit kommen?

Ausgehandelt worden war der Vertrag von Justus Möser. Möser war die seinerzeit bekannteste Persönlichkeit im Fürstbistum Osnabrück, eine Legende zu Lebzeiten und zudem hoch angesehen im ganzen Reich. Johann Wolfgang von Goethe und Gotthold Ephraim Lessing zählten zu seinen Verehrern. Alles schien ihm zu gelingen, und als nach etlichen Jahren der Verhandlungen endlich der Vertrag unterzeichnet und von Papst und Kaiser sogar urkundlich bestätigt wurde, glaubten viele - und auch er selbst - dass damit sein Meisterstück gelungen war. Das Verhandlungsergebnis schien unanfechtbar. Dass sein "Meisterstück" einen kleinen Haken hatte, war Justus Möser durchaus bewusst. Denn zur Finanzierung der geplanten Veränderungen sah der Vertrag die Schließung des Zisterzienserinnen-Klosters in Bersenbrück vor, des damals reichsten Klosters im Fürstbistum Osnabrück. Irgendwo musste das Geld schließlich herkommen. Um dem Ärger mit den Bersenbrücker Nonnen aus dem Wege zu gehen, wurde dieser Teil des Plans so lange wie irgend möglich verheimlicht. Dass bei größeren Umwälzungen die eine oder andere Kröte zu schlucken war, ließ sich eben nicht vermeiden...

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Worum wurde gestritten?

Doch was Justus Möser nicht vorausgesehen hatte, war der Widerstandsgeist des Fürstenauer Stadtrats. Fürstenau weigerte sich hartnäckig, die Vertragsbedingungen zu erfüllen. Der Stadtrat sah in dem Vertrag einen unzulässigen Eingriff in seine städtischen Rechte und erhob Klage beim Reichskammergericht. Schließlich war Fürstenau im Zuge des Westfälischen Friedens 1648 zugesichert worden, ein Ort des protestantischen Glaubens zu sein. Und nun sollte man hinnehmen, dass die Osnabrücker Regierung die Ausübung einer "fremden" Religion in den eigenen Mauern erlaubte? Dies konnte nicht rechtens sein! Im ganzen Reich wurden Schriften verfasst, die für Fürstenau Partei ergriffen. Mit Spannung sah man allerorten darauf, wie das Gericht entscheiden würde.

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Justus-Möser-Jahr 2020

Stadt und Landkreis Osnabrück feiern in diesem Jahr das 300-jährige Jubiläum zu Ehren Justus Mösers, der 1720 in Osnabrück geboren wurde.
Im Rahmen des Projekts "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige? Drei Perspektiven auf Justus Mösers politisches Wirken 1786" vermitteln Ausstellungen in Fürstenau, Schledehausen und Bersenbrück die ortsgebundene Sicht auf den Vertrag von 1786, der das Leben der Einwohner schlagartig veränderte. In Schledehausen wurde der Vertrag als diplomatische Meisterleistung begrüßt, in Fürstenau als staatsmännischer Coup verurteilt, in Bersenbrück vermuteten Zeitgenossen eine politische Intrige.
 
Das Begleitprogramm lädt dazu ein, Justus Möser als eine politische Persönlichkeit kennenzulernen, die die beteiligten Orte bis in die Gegenwart hinein prägte. Die Ausstellung in Fürstenau entsteht in enger Abstimmung mit Heimatforscher Karl-Heinz Dirkmann sowie Mitwirkung des Künstlers Günter Sponheuer. Erprobt wird ein neuartiges Ausstellungskonzept, das das historische Geschehen bildnerisch umsetzt. Besucher tauchen darüber hinaus mittels eines Hörbeitrags in die Geschichte ein. Ein besonderes Highlight ist für Freitag, den 9. Oktober 2020, geplant: In szenischer Darstellung wird das Aufeinandertreffen Justus Mösers mit dem Rat der Stadt Fürstenau miterlebbar - hier werden die Positionen und Argumente in ihrer Dramatik wieder lebendig. Das Drehbuch bezieht die historischen Dokumente ebenso ein wie die Ideen der Schüler/innen der IGS Fürstenau unter Leitung von Herrn Wagemester.
 
Die Ausstellung ist vom 18. September bis zum 1. November 2020 im Foyer des Schlosses zu sehen.
 
Koordiniert wird das Projekt vom Förderverein des Museums Bersenbrück. Die Gesamtleitung liegt bei Historikerin Dr. Jutta Stalfort. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Gemeinde Bissendorf, den Städten Fürstenau und Bersenbrück, der Samtgemeinde Bersenbrück, dem Kreisheimatbund, dem Landschaftsverband des Osnabrücker Landes e. V. und der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück.


 
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Vorschau auf die Ausstellung
Bilder von Günter Sponheuer

"Justus Möser"
 
"Die Ketten werden zerschlagen"
 

Der Künstler G. Sponheuer

Günter Sponheuer studierte Malerei an der Folkwang-Schule für Gestaltung in Essen, der Akademie der bildenden Künste Wien in Österreich und der Freien Akademie Den Haag in den Niederlanden.
Er gehört zu den Mitbegründern des Kunsthaus Essen e.V. 1967 wurde ihm von der Folkwangschule der Folkwang-Leistungspreis für Malerei verliehen.
Günter Sponheuer stellt seit den 60er Jahren in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Estland, Süd-Korea und den Niederlanden aus. Er lebt in Fürstenau.

Veranstaltungshinweise

Ausstellungseröffnung
Staatskunst oder Coup?
Ausstellung mit Werken von Günter Sponheuer

Die Ereignisse um die Auseinandersetzung zwischen der Stadt Fürstenau und der Regierung stehen in der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?" im Fokus. Sie wird vom 18.09.-1.11.2020 im Foyer im Schloss Fürstenau zu sehen sein.
Zur Ausstellungseröffnung sind Gäste herzlich willkommen.
 
Die Ausstellungseröffnung findet statt unter Mitwirkung der Schauspieltruppe Schwagsdorf.

Veranstaltungsort: Foyer im Schloss Fürstenau
 

18. Sept. 2020, 19.00 Uhr
Vortrag
Justus Möser - ein politisches Vorbild?

Der Osnabrücker Staatsmann und Schriftsteller Justus Möser (1720-1794) wollte mit der Gründung der  Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen" ein Diskussionsforum für Reformen schaffen. Johann Gottfried Herder bezeichnete es als "das vollkommenste deutsche Nationalblatt  und Goethe sah darin ein geeignetes Instrument, um Gegenwart und Zukunft in den Blick zu nehmen. über die erfolgreiche politische und literarische Tätigkeit hinaus unterstützte Möser zukunftsfähige Projekte in seinem Wirkungskreis auch finanziell.

Referent: Martin Siemsen M. A., Vorsitzender der Justus-Möser-Gesellschaft Osnabrück
 
Veranstaltungsort: Ratssitzungssaal im Schloss Fürstenau, Schlossplatz 1,49584 Fürstenau
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190114

25. Sept. 2020, 19.00 Uhr
Schauspiel
Justus Möser diskutiert mit dem Magistrat

Ein historisches Streitgespräch zwischen Justus Möser (Schauspieler Magnus Heithoff) und dem Fürstenauer Rat (unter Mitwirkung von Schauspielern der Theatergruppe Schwagstorf).
1786 wurde unter Vermittlung von Justus Möser ein Vertrag geschlossen, der die hartnäckigsten Konflikte im Fürstbistum lösen sollte. Viele, auch Justus Möser selbst, hielten den Vertrag für ein diplomatisches Meisterwerk. Der Stadtrat von Fürstenau weigerte sich jedoch, den Vertrag umzusetzen. Er sah einen unzulässigen Eingriff in seine städtischen Rechte und erhob Klage beim Reichskammergericht. Um die Klage doch noch abzuwenden, reiste Justus Möser nach Fürstenau und diskutierte mit den dortigen Entscheidungsträgern. Diese Reise ist durch historische Dokumente belegt.
Das Drehbuch beruht auf der Auswertung historischer Dokumente und den Ideen von Schülerinnen und Schülern im Seminarfach Geschichte an der IGS Fürstenau.

Veranstaltungsort: Ratssitzungssaal im Schloss Fürstenau, Schlossplatz 1, 49584 Fürstenau
 
Kooperationspartner: Landschaftsverband Osnabrücker Land e. V. und Förderver. Museum d. Landkreises Osnabrück in Bersenbrück

9. Okt. 2020, 18.00 Uhr
Vortrag
Das konfessionelle Miteinander im Spiegel überlieferter Dokumente

Inhalt des Vortrags ist eine Darstellung der angespannten konfessionellen Situation in Fürstenau im 18. Jahrhundert und ihre Bedeutung für das Zustandekommen des sogenannten Simultaneums. Darüber hinaus werden die Auswirkungen dieser Spannungen auf das Alltagsleben der Fürstenauer bis in unsere Zeit aufgezeigt. Der Vortrag umgreift somit mehr als 200 Jahre Fürstenauer Geschichte und gibt grundlegende Einblicke in die historische Entwicklung der Stadt.

Referent: Karl-Heinz Dirkmann
 
Veranstaltungsort: Ratssitzungssaal im Schloss Fürstenau, Schlossplatz 1, 49584 Fürstenau
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land

15. Okt. 2020, 18.30 Uhr
Begleitete Busfahrt
Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag

Von Fürstenau nach Schledehausen über Bersenbrück
Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag - mit Kaffeetafel
 
Das Leben in den Orten Schledehausen, Fürstenau und Bersenbrück veränderte sich schlagartig, nachdem im Dezember 1786 ein Vertrag unterzeichnet wurde, der die hartnäckigsten Konflikte im Fürstbistum ausglich. Justus Möser hatte ihn ausgehandelt. In Schledehausen wurde der Vertrag als Meisterleistung begrüßt, in Fürstenau als Coup verurteilt. In Bersenbrück vermuteten Zeitgenossen eine politische Intrige, da das dortige Kloster geschlossen wurde. Die Teilnehmer der Fahrt werden Justus Mösers und seine Politik aus drei unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen.

Abfahrt:
Schlossplatz Fürstenau, Parkplatz
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190117

18. Okt. 2020, 13.30 Uhr
Vortrag mit Diskussion
Die Kaiserurkunde von 1787

Die Schließung des Bersenbrücker Zisterzienserinnen-Klosters war für ihre Betreiber kein leichtes Unterfangen, denn das Kloster stand unter dem ausdrücklichen Schutz von Papst und Kaiser. Die Kaiserurkunde von 1787, die das Ende des Klosters besiegelte, ist ein komplexes Dokument und gewährt tiefe Einblicke in das Denken und Rechtsempfinden dieser Zeit. An diesem Abend wird die Urkunde in ihren Details vorgestellt und ihre Bedeutung mit den Teilnehmern diskutiert werden.

Dr. Jutta Stalfort, Historikerin, Projektleitung der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"
 
Veranstaltungsort: Museum Bersenbrück
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190116

30. OKT 2020, 19.30 Uhr
Weitere Veranstaltungen
"Ein Jahr mit Justus Möser"

Der Landschaftsverband Osnabrück e.V. bietet zum 300. Geburtstag von Justus Möser eine umfangreiche Veranstaltungsreihe an. Eine Übersicht über das vielfältige Angebot finden sie auf der Internetseite:

www.justus-moeser-2020.de

Besuch der Ausstellungen

  • Foyer im Schloss Fürstenau
  • Schlossplatz 1
  • 49584 Fürstenau
  • Staatskunst oder Coup?
    Ausstellung mit Werken von G. Sponheuer
  • Historische Erzählung, Kunstwerke, Audioguide und Dokumente
  • Mo bis Fr, 8.30 bis 18 Uhr
    Sa/So, 14 Uhr bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Freitag, 18. Sept. 2020, 19 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • St. Laurentius Kirchen
  • Schledehausen
  • 49143 Bissendorf
  • Eine diplomatische Meisterleistung!
    Ausstellung mit Werken von J. Steinberg
  • Historische Erzählung, Kunstwerk und Audioguide
  • täglich geöffnet, 13 bis 17 Uhr
     

Ausstellungseröffnung

Samstag, 26. Sept. 2020, 18:00 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. November 2020
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • Museum im Kloster Bersenbrück
  • Stiftshof 4
  • 49593 Bersenbrück
     
  • Außenbereich
  • Eine politische Intrige?
    Ausstellung mit Werken von P. Wessler
  • Historische Erzählung, Kunstwerke und Audioguide
  • 24 h täglich zugänglich
  • Innenbereich
  • Die Kaiserurkunde von 1787
  • Historische Dokumente zur Klosterauflösung
  • Do bis So, 11 bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Samstag, 19. Sept. 2020, 17 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.

Kontakt

Veranstalter

Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
Vorsitzender: Dr. Wilfried Markus, Bersenbrück

Projektleitung

Dr. Jutta Stalfort, Bersenbrück
   0 54 39/90 23 26
   kontakt@jutta-stalfort.de

Mitwirkung an der Konzeption und Durchführung des Projektes

Karl-Heinz Dirkmann, Fürstenau

Wir danken den Förderern!

Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Kreisheimatbund Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Fürstenau
Stadt Fürstenau
Bissendorf/Schledehausen
Gemeinde Bissendorf