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Einführung in die Ausstellung

Klosterschließung Bersenbrück - Eine Intrige?

Warum das Zisterzienserinnen-Kloster in Bersenbrück 1787 geschlossen wurde, ist bis heute nahezu unbekannt. Ändern könnte sich dies im kommenden Herbst, genauer gesagt: am 20. September 2020. Denn dann eröffnet im Museum im Kloster eine Ausstellung, die das Rätsel lüftet. Sie trägt den Titel "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"

Wendepunkt in der Geschichte

Über 550 Jahre hatte das Kloster darauf geachtet, dass die für seinen Orden geforderte Abgeschiedenheit streng eingehalten wurde. Es hatte jegliche Siedlungstätigkeit in unmittelbarer Nähe unterbunden. So sah man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur Wiesen und Wälder, wo sich heute das Zentrum der Stadt Bersenbrück befindet. Erst die mit List erzwungene Schließung des Klosters 1787 ermöglichte die Entwicklung des Ortes zu einem geschäftigen Zentrum. In kurzer Zeit siedelten sich Betriebe an. Die Einwohnerzahl stieg kontinuierlich, und in die altehrwürdigen Klostermauern zog schließlich die preußische Amtsverwaltung ein. Diese Entwicklung war von den Initiatoren der Schließung weder beabsichtigt noch vorausgesehen worden.

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Das reichste Kloster der Region

Es hätte durchaus auch ein anderes der vielen Klöster in der Region treffen können. Denn die Klosterauflösung geschah keineswegs freiwillig oder gar in gutem Einvernehmen mit der Klosterleitung. Die Entscheidung, ausgerechnet das Bersenbrücker Kloster zu schließen, beruhte allein auf seiner hohen Wirtschaftskraft und seinem außergewöhnlichen Reichtum. Denn was die Regierung in Osnabrück gemeinsam mit der katholischen Kirche gesucht hatte, war eine Geldquelle. Die Einkünfte des Klosters sollten die Finanzierung eines Plans ermöglichen, der von den angesehensten Männern der damaligen Zeit erdacht und ausgehandelt worden war.

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Der Plan - ein Meisterstück!

Im Dezember 1786 wurde der Vertrag unterzeichnet, der die Schließung herbeiführte. Dieser Vertrag enthielt in seinem Kern das, was die geniale Lösung unlösbar scheinender Konflikte hatte sein sollen. In Fürstenau und Schledehausen sollte es - endlich! - eine Gleichstellung der beiden christlichen Kirchen geben. In jeder Gemeinde des Fürstbistums sollten von nun an neue Schulen entstehen können, ganz wie es ihren Einwohnern sinnvoll erschien. Und das Schulwesen wurde auf eine neue finanzielle Grundlage gesetzt. Ausgehandelt worden war der Vertrag von Justus Möser. Geheimrat Möser war die seinerzeit bekannteste Persönlichkeit im Fürstbistum Osnabrück, eine Legende zu Lebzeiten und zudem hoch angesehen im ganzen Reich. Johann Wolfgang von Goethe und Gotthold Ephraim Lessing zählten zu seinen Verehrern. Als der Vertrag von den höchsten Vertretern beider Kirchen und der Regierung unterzeichnet war und sogar Papst und Kaiser ihn urkundlich bestätigt hatten, glaubten viele - und auch Möser selbst -, dass damit sein Meisterstück gelungen war.

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Eine Intrige?

Das "Meisterstück" hatte jedoch eine unschöne Seite, und Justus Möser kannte sie. Die Auflösung des Klosters hätte nur schwerlich durchgesetzt werden können, wenn die Äbtissin frühzeitig davon erfahren hätte. Um den Vertragsabschluss nicht zu gefährden, wurde die Aufhebung des Klosters unter größter Geheimhaltung geplant und schließlich in einem nur wenige Wochen dauernden Coup strategisch ausgeführt. Die Äbtissin wurde im Vorfeld der Ereignisse bewusst hinters Licht geführt und - man kann es nicht beschönigen - hartnäckig belogen.

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Justus-Möser-Jahr 2020

Stadt und Landkreis Osnabrück feiern in diesem Jahr das 300-jährige Jubiläum zu Ehren Justus Mösers, der 1720 in Osnabrück geboren wurde. Im Rahmen des Projekts "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige? Drei Perspektiven auf Justus Mösers politisches Wirken 1786" vermitteln Ausstellungen in Fürstenau, Schledehausen und Bersenbrück die ortsgebundene Sicht auf ein Ereignis, das das Leben der Einwohner schlagartig veränderte. In Schledehausen wurde der Vertrag als diplomatische Meisterleistung begrüßt, in Fürstenau als staatsmännischer Coup verurteilt, in Bersenbrück vermuteten Zeitgenossen eine politische Intrige.
 
Das Begleitprogramm lädt dazu ein, Justus Möser als eine politische Persönlichkeit kennenzulernen, die die beteiligten Orte bis in die Gegenwart hinein prägte. Die Ausstellung in Bersenbrück entsteht in Zusammenarbeit mit dem Künstler Paul Wessler. Erprobt wird ein neuartiges Ausstellungskonzept. Im Außenbereich des Museums wird die Geschichte der Klosterauflösung in großformatigen Bildern erzählt. Audio-Beiträge, die mittels eines QR-Codes abgerufen werden können, laden zum Eintauchen in die historischen Ereignisse beim Betrachten der Bilder ein. Im Sonderausstellungsbereich des Museums werden die Vorgänge in historischen Urkunden und Dokumenten erläutert.
 
Die Kaiserurkunde von 1787, die die Schließung des Klosters besiegelte, wird im Original zu sehen sein.
 
Die Ausstellung wird präsentiert vom 19. September bis zum 1. November 2020 im Museum im Kloster.
 
Zur Ausstellungseröffnung am 19. September 2020 um 17.00 Uhr sind Gäste herzlich willkommen. Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident der Europäischen Kommission a. D., ehemaliger Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung und Ehrenbürger der Stadt Bersenbrück wird bei dieser Gelegenheit eine Bewertung der Klosterschließung aus heutiger Sicht geben.

Koordiniert wird das Projekt vom Förderverein des Museums Bersenbrück. Die Gesamtleitung liegt bei Historikerin Dr. Jutta Stalfort. Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Gemeinde Bissendorf, den Städten Fürstenau und Bersenbrück, der Samtgemeinde Bersenbrück, dem Kreisheimatbund, dem Landschaftsverband des Osnabrücker Landes e. V. und der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück.


 
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Vorschau auf die Ausstellung
Grafiken von Paul Wessler

"Der Konvent im Jahr 1785"
 
"Hinter vorgehaltener Hand"
 

Der Künstler Paul Wessler

Paul Wessler wurde 1949 in Bersenbrück geboren und studierte in den 70er Jahren Design und Kunst in Münster und Berlin. Dem Lehrerdasein zog er ein Leben als freischaffender Maler und Grafiker vor. Er beschickte bereits Ausstellungen in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, der Schweiz, Ungarn, Russland, Belgien und England.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Malerei, das Thema ist immer wieder die Farbe.

Veranstaltungshinweise

Ausstellungseröffnung
Klosterauflösung in Bersenbrück 1787 - Das Ergebnis einer politischen Intrige?

Die Vorgänge, die 1787 zur Klosterschließung führten, sind nahezu unbekannt. Die Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?" möchte dies ändern. Sie wird vom 19.09.-1.11.2020 im Museum in Bersenbrück zu sehen sein.
Zur Ausstellungseröffnung sind Gäste herzlich willkommen.
 
Prof. Dr. Hans-Gert Pöttering, Präsident der Europäischen Kommission a. D., Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung a. D. und Ehrenbürger der Stadt Bersenbrück wird bei dieser Gelegenheit eine Bewertung der Klosterschließung aus heutiger Sicht geben.

Veranstaltungsort: Museum im Kloster, Bersenbrück

19. Sept. 2020, 17.00 Uhr
Vortrag
Justus Möser - ein politisches Vorbild?

Der Osnabrücker Staatsmann und Schriftsteller Justus Möser (1720-1794) wollte mit der Gründung der "Wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen" ein Diskussionsforum für Reformen schaffen. Johann Gottfried Herder bezeichnete es als "das vollkommenste deutsche Nationalblatt" und Goethe sah darin ein geeignetes Instrument, um Gegenwart und Zukunft in den Blick zu nehmen. über die erfolgreiche politische und literarische Tätigkeit hinaus unterstützte Möser zukunftsfähige Projekte in seinem Wirkungskreis auch finanziell.

Referent: Martin Siemsen M. A., Vorsitzender der Justus-Möser-Gesellschaft Osnabrück
 
Veranstaltungsort: Museum Bersenbrück
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190114

16. Okt. 2020, 19.00 Uhr
Vortrag
Was verloren ging und was gewonnen wurde. Die Bedeutung der Klosteraufhebung für den Ort Bersenbrück

Seit 1231 hatte das Zisterzienserinnen-Kloster darauf geachtet, dass die für seinen Orden geforderte Abgeschiedenheit streng eingehalten wurde. Es hatte jegliche Siedlungstätigkeit in unmittelbarer Nähe unterbunden. So sah man bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nur Wiesen und Wälder, wo sich heute das Zentrum der Stadt Bersenbrück befindet. Erst die mit List erzwungene Schließung des Klosters 1787 ermöglichte die Entwicklung des Ortes zu einem geschäftigen Zentrum. Der Vortrag fragt: Welche Veränderungen bedeutete die Klosterschließung für Bersenbrück?

Referentin: Dr. Jutta Stalfort, Historikerin, Projektleitung der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"
 
Veranstaltungsort: Museum Bersenbrück
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190115

23. Okt. 2020, 19.00 Uhr
Begleitete Busfahrt
Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag

Von Bersenbrück nach Schledehausen und Fürstenau
 
Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag - mit Kaffeetafel
 
Das Leben in den Orten Schledehausen, Fürstenau und Bersenbrück veränderte sich schlagartig, nachdem im Dezember 1786 ein Vertrag unterzeichnet wurde, der die hartnäckigsten Konflikte im Fürstbistum ausglich. Justus Möser hatte ihn ausgehandelt. In Schledehausen wurde der Vertrag als Meisterleistung begrüßt, in Fürstenau als Coup verurteilt. In Bersenbrück vermuteten Zeitgenossen eine politische Intrige, da das dortige Kloster geschlossen wurde. Die Teilnehmer der Fahrt werden Justus Mösers und seine Politik aus drei unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen.

Treffpunkt:
Museum im Kloster Bersenbrück
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190117

25. Okt. 2020, 13.30 Uhr
Vortrag mit Diskussion
Die Kaiserurkunde von 1787

Die Schließung des Bersenbrücker Zisterzienserinnen-Klosters war für ihre Betreiber kein leichtes Unterfangen, denn das Kloster stand unter dem ausdrücklichen Schutz von Papst und Kaiser. Die Kaiserurkunde von 1787, die das Ende des Klosters besiegelte, ist ein komplexes Dokument und gewährt tiefe Einblicke in das Denken und Rechtsempfinden dieser Zeit. An diesem Abend wird die Urkunde in ihren Details vorgestellt und ihre Bedeutung mit den Teilnehmern diskutiert werden.

Dr. Jutta Stalfort, Historikerin, Projektleitung der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"
 
Veranstaltungsort: Museum Bersenbrück
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190116

30. OKT 2020, 19.30 Uhr
Konzert
Die Musik der Zisterzienserinnen

Konzert des Kammerchores Bersenbrück unter der Leitung von Regionalkantor Axel Eichhorn.
 
Bitte beachten Sie: Das Konzert wird nun im September 2021 stattfinden.

Veranstaltungsort: St. Vincentius Kirche Bersenbrück, Stiftshof 2, 49593 Bersenbrück

26. Sept. 2021
Weitere Veranstaltungen
"Ein Jahr mit Justus Möser"

Der Landschaftsverband Osnabrück e.V. bietet zum 300. Geburtstag von Justus Möser eine umfangreiche Veranstaltungsreihe an. Eine Übersicht über das vielfältige Angebot finden sie auf der Internetseite:

www.justus-moeser-2020.de

Besuch der Ausstellungen

  • Museum im Kloster Bersenbrück
  • Stiftshof 4
  • 49593 Bersenbrück
     
  • Außenbereich
  • Eine Intrige?
    Ausstellung mit Werken von P. Wessler
  • Historische Erzählung, Kunstwerke und Audioguide
  • 24 h täglich zugänglich
  • Innenbereich
  • Die Kaiserurkunde von 1787
  • Historische Dokumente zur Klosterauflösung
  • Do bis So, 11 bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Samstag, 19. Sept. 2020, 17 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • Foyer im Schloss Fürstenau
  • Schlossplatz 1
  • 49584 Fürstenau
  • Staatskunst oder Coup?
    Ausstellung mit Werken von G. Sponheuer
  • Historische Erzählung, Kunstwerke, Audioguide und Dokumente
  • Mo bis Fr, 8.30 bis 18 Uhr
    Sa/So, 14 Uhr bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Freitag, 18. Sept. 2020, 19 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • St. Laurentius Kirchen
  • Schledehausen
  • 49143 Bissendorf
  • Eine diplomatische Meisterleistung!
    Ausstellung mit Werken von J. Steinberg
  • Historische Erzählung, Kunstwerk und Audioguide
  • täglich geöffnet, 13 bis 17 Uhr
     

Ausstellungseröffnung

Samstag, 26. Sept. 2020, 18:00 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. November 2020
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.

Kontakt

Veranstalter

Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
Vorsitzender: Dr. Wilfried Markus, Bersenbrück

Projektleitung

Dr. Jutta Stalfort, Bersenbrück
   0 54 39/90 23 26
   kontakt@jutta-stalfort.de

Wir danken den Förderern!

Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Kreisheimatbund Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Fürstenau
Stadt Fürstenau
Bissendorf/Schledehausen
Gemeinde Bissendorf