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Einführung in die Ausstellung

Eine diplomatische Meisterleistung!

Drei Orte des Landkreises Osnabrück sind seit 1786 eng miteinander verbunden: Fürstenau, Bersenbrück und Schledehausen. Von einem Tag auf den anderen änderte ein in Osnabrück ausgehandelter Vertrag das Leben ihrer Einwohner spürbar, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart.

Krieg und Frieden

Die europäischen Herrscher waren 1648 endlich kriegsmüde geworden. Sie schworen im Westfälischen Frieden, von nun an alle Konflikte auf dem Verhandlungsweg lösen zu wollen. Dies bedeutete das Ende eines langen, grausamen Krieges. Er hatte Elend, Leid, Hunger und auch die Pest in nahezu jeden Winkel Mitteleuropas gebracht. Die Aufgabe, vor der die Unterhändler des Friedens gestanden hatten, war ungeheuer schwierig gewesen. Sie hatten die unterschiedlichen religiösen und herrschaftlichen Interessen der Kriegsparteien ausgleichen müssen. Mit heutigen Augen betrachtet, mag es befremdlich erscheinen, auf welche Idee sie kamen, um im Reich und insbesondere auch im Fürstbistum Osnabrück einen Interessensausgleich herbeizuführen. Aber alles, was den ersehnten Frieden bringen konnte, war willkommen. Zwei Punkte charakterisieren die Friedensbestimmungen für das Fürstbistum Osnabrück: Zum einen wurde eine Regierung eingerichtet, in der sich katholische und protestantische Regentschaft abwechselten. Zum anderen wurde versucht, in den Gemeinden des Fürstbistums konfessionelle Verhältnisse herzustellen, wie sie 25 Jahre zuvor geherrscht hatten. Konnte nicht entschieden werden, welcher Konfession gefolgt worden war, gab es die Möglichkeit, sie doppelpfarrig zu besetzen, d. h. in ihnen gab es sowohl katholischen wie auch lutherischen Gottesdienst (Simultaneum). In Badbergen führte die Vereinbarung des Simultaneums dazu, dass die Kirche bis 9 Uhr morgens und dann wieder ab 15 Uhr für die Katholiken zur Verfügung stand, in allen anderen Stunden war sie für die Protestanten geöffnet.

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Ungewissheit in Glaubensdingen

Die Bestimmung der Gemeindekirchen als katholisch bzw. protestantisch orientierte sich am Bekenntnis des Pfarrers im Jahr 1624. In Schledehausen schien die Sache zunächst recht klar, da es Dokumente gab, in denen sich der Pfarrer bei einer Gemeindeüberprüfung in diesen Jahren als "katholisch" zu erkennen gegeben hatte. Der Prüfer Lucenius hatte geschrieben: "Ich habe bisher ... nirgendwo mehr und ausgeprägtere Spuren der katholischen Religion und eine besser geordnete Kirche gesehen." Allerdings war alles so perfekt, dass Lucenius sich fragte, ob " ... es nicht mit der Absicht geschehen ist, etwas vorzutäuschen." Der Pfarrer der Gemeinde, Gerhard Gieseker, hatte eine Ehefrau und sechs Kinder - und er war nicht bereit gewesen, sie trotz einer Aufforderung der bischöflichen Kanzlei zu verlassen. War er ein Protestant, und hatte er bei der Überprüfung durch den katholischen Lucenius geschummelt, um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie nicht zu gefährden? Möglich ist das. Aber ist es auch wahrscheinlich? Als 1634 die schwedische Besetzungsmacht alle katholischen Priester aus ihren Ämtern vertrieb und sie durch protestantische ersetzte, hätte Gieseker in diesem Fall sicher bleiben könne. Doch er setzte sich ins katholische Westfalen ab.

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Die schwierige Situation der Protestanten

Die wahre Situation im Dorf Schledehausen ist heute nicht mehr zu rekonstruieren. Auf Pfarrer Gieseker folgte für die nächsten 16 Jahre Pastor Sundermann, und es ist durchaus denkbar, dass er ein äußerst überzeugender Pastor war und die - vielleicht bei seinem Amtsantritt katholische - Gemeinde in dieser schwierigen Zeit für den Protestantismus gewinnen konnte. Was wir sicher wissen ist, dass es nach dem Westfälischen Frieden kaum noch katholische Einwohner in Schledehausen gab. Die Literatur überliefert für 1650 lediglich 7 Katholiken bei 2000 Protestanten. Dennoch wurde die Gemeinde dem alten Glauben zugeschlagen. Das bedeutete, dass Protestanten jede offene Religionsausübung, sei es nun Gottesdienst oder Taufe, Hochzeit oder Begräbnis, bei Strafe verboten war. Auch ein geregelter protestantischer Schulunterricht war nicht erlaubt. Die Protestanten konnten sich private Lösungen schaffen, beispielsweise häuslichen Schulunterricht organisieren, und sie durften für Glaubenshandlungen in benachbarte Orte ausweichen, aber das enthob sie nicht von der Verpflichtung, Gebühren an den katholischen Pfarrer zu zahlen und für die Erhaltung der katholischen Kirche, die Besoldung des katholischen Lehrers und auch der Instandhaltung der einzigen katholischen Dorfschule herangezogen zu werden.

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Die Sehnsucht nach Öffentlichkeit

Die wiederholt von den protestantischen Einwohnern gestellten Anträge auf freie und ungehinderte Ausübung ihrer Religion scheiterten stets am Widerstand der Katholiken, die auf Buchstabentreue der Friedensvereinbarungen bestanden. Der Dreißigjährige Krieg war lange nicht vergessen und die Erinnerung an seine Schrecken sorgten für die Unantastbarkeit des Regelwerks. Erst Justus Möser gelang es, eine dauerhafte Veränderung zum Besseren herbeizuführen. Die Gleichberechtigung der Konfessionen in Schledehausen und die gemeinsame Nutzung der Kirche waren die wichtigsten Punkte des Vertrages von 1786. Dass die Einrichtung des Simultaneums noch einige Jahre auf sich warten ließ, war nicht vorauszusehen gewesen. Der Vertrag besagte die gleichzeitige Einrichtung von Simultankirchen in Schledehausen und Fürstenau - doch in Fürstenau gab es großen Unmut über diese Vereinbarung. Der Fürstenauer Magistrat weigerte sich, ihn umzusetzen und zog vor Gericht. Das Simultaneum in Schledehausen kam letztlich erst im Jahr 1803. Es wurde mit einem großen katholisch-protestantischem Festumzug eingeläutet. Justus Möser war - aus Sicht der Schledehausener - ein diplomatisches Meisterstück gelungen.

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Bilder von Julia Steinberg
(Auswahl)

 
Westfälische Landschaft (5) 2020 90 x 360 cm Öl,Leinen
 
 
Boot (86) 2017 120 x 80 cm Öl,Leinen
 
per se (17) 2014 120 x 90 cm Öl,Leinen
 
Boote (73) 2016 60 x 180 cm Öl,Leinen
 

Die Künstlerin Julia Steinberg

Julia Steinberg wurde 1956 in Münster geboren. Von 1976-1983 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf, Abt. Münster und war Meisterschülerin bei Prof. Norbert Tadeusz.
 
Sie lebt und arbeitet in Dortmund und Berlin.
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Veranstaltungshinweise

Vortrag
Wieso, weshalb, warum? Historisches Wissen zum Simultaneum in Schledehausen

Dass es in Schledehausen zwei St. Laurentiuskirchen gibt - die eine katholisch, die andere lutherisch - ist deutschlandweit eine Besonderheit. Es steckt eine spannende Geschichte dahinter, die an diesem Abend erzählt werden soll. Der Schlossherr von Schele, die Bischöfe von Osnabrück und der Staatsmann Justus Möser werden darin vorkommen - und auch die Errichtung eines sogenannten Simultaneums. Aber im Mittelpunkt dieser Geschichte sollen die ganz normalen Menschen stehen, die im Ort Schledehausen in vergangener Zeit lebten. Es wird um ihren Alltag gehen, um ihre Kinder, ihre Kirche und ihre ganz eigene Art, ihren Glauben zu leben.

Referentin: Dr. Jutta Stalfort, Historikerin, Projektleitung der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"
in Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
 
Veranstaltungsort: Schledehausen, Wamhof

2. Okt. 2020, 17.00 Uhr
Begleitete Busfahrt
Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag

Von Schledehausen nach Fürstenau über Bersenbrück
Begleitete Busfahrt mit Ausstellungsführung : Drei Perspektiven auf Justus Möser an einem Nachmittag - mit Kaffeetafel.

Abfahrt: Parkplatz kath. Laurentiuskirchen Schledehausen
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190117

11. Okt. 2020, 13.30 Uhr
Vortrag mit Diskussion
Die Kaiserurkunde von 1787

Die Schließung des Bersenbrücker Zisterzienserinnen-Klosters war für ihre Betreiber kein leichtes Unterfangen, denn das Kloster stand unter dem ausdrücklichen Schutz von Papst und Kaiser. Die Kaiserurkunde von 1787, die das Ende des Klosters besiegelte, ist ein komplexes Dokument und gewährt tiefe Einblicke in das Denken und Rechtsempfinden dieser Zeit. An diesem Abend wird die Urkunde in ihren Details vorgestellt und ihre Bedeutung mit den Teilnehmern diskutiert werden.

Dr. Jutta Stalfort, Historikerin, Projektleitung der Ausstellung "Staatskunst, diplomatische Meisterleistung oder politische Intrige?"
 
Veranstaltungsort: Museum Bersenbrück
 
In Kooperation mit der VHS Osnabrücker Land
Kursnummer: 202-190116

30. OKT 2020, 19.30 Uhr
Weitere Veranstaltungen
"Ein Jahr mit Justus Möser"

Der Landschaftsverband Osnabrück e.V. bietet zum 300. Geburtstag von Justus Möser eine umfangreiche Veranstaltungsreihe an. Eine Übersicht über das vielfältige Angebot finden sie auf der Internetseite:

www.justus-moeser-2020.de

Besuch der Ausstellungen

  • St. Laurentius Kirchen
  • Schledehausen
  • 49143 Bissendorf
  • Eine diplomatische Meisterleistung!
    Ausstellung mit Werken von J. Steinberg
  • Historische Erzählung, Kunstwerk und Audioguide
  • täglich geöffnet, 13 bis 17 Uhr
     
    .

Ausstellungseröffnung

Samstag, 26. Sept. 2020, 18:00 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. November 2020
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • Museum im Kloster Bersenbrück
  • Stiftshof 4
  • 49593 Bersenbrück
     
  • Außenbereich
  • Eine politische Intrige?
    Ausstellung mit Werken von P. Wessler
  • Historische Erzählung, Kunstwerke und Audioguide
  • 24 h täglich zugänglich
  • Innenbereich
  • Die Kaiserurkunde von 1787
  • Historische Dokumente zur Klosterauflösung
  • Do bis So, 11 bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Samstag, 19. Sept. 2020, 17 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
  • Foyer im Schloss Fürstenau
  • Schlossplatz 1
  • 49584 Fürstenau
  • Staatskunst oder Coup?
    Ausstellung mit Werken von G. Sponheuer
  • Historische Erzählung, Kunstwerke, Audioguide und Dokumente
  • Mo bis Fr, 8.30 bis 18 Uhr
    Sa/So, 14 Uhr bis 18 Uhr
  • Gesonderte Öffnungszeiten und Führungen auf Anfrage

Ausstellungseröffnung

Freitag, 18. Sept. 2020, 19 Uhr

Finissage

Sonntag, 1. Nov. 2020, 16 Uhr
Veranstalter:
Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.

Kontakt

Veranstalter

Förderverein Museum des Landkreises Osnabrück in Bersenbrück e. V.
Vorsitzender: Dr. Wilfried Markus, Bersenbrück

Projektleitung

Dr. Jutta Stalfort, Bersenbrück
   0 54 39/90 23 26
   kontakt@jutta-stalfort.de

Mitwirkung an der Konzeption und Durchführung des Projektes

Paul-Walter Wahl, Schledehausen (bis Juli 2020)

Wir danken den Förderern!

Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Samtgemeinde Bersenbrück
Kreisheimatbund Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Bersenbrück
Stadt Fürstenau
Stadt Fürstenau
Bissendorf/Schledehausen
Gemeinde Bissendorf